"Startbahn-Moratorium wäre das Ende"

Erdinger Anzeiger vom 20.10.2015

20.10.2015 | Hans Moritz, Erdinger Anzeiger
Erwin Huber
Erwin Huber

Flughafen - Was die Dritte Startbahn betrifft, herrscht im Erdinger Moos dichter Nebel. Das Baurecht ist höchstrichterlich bestätigt ist. Dennoch will Ministerpräsident Horst Seehofer erneut diskutieren – Ausgang ungewiss. Wir sprachen mit Erwin Huber, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

Herr Huber, Hand aufs Herz, wird das noch was mit der dritten Startbahn?

Selbstverständlich, wir sind auf der Zielgeraden, die Gerichte haben uns Recht gegeben und nächstes Jahr bauen wir.

Wie erklären Sie sich den Wandel bei Horst Seehofer, dass er noch einmal in den Dialog einsteigt, obwohl jetzt alle formalen Hürden überwunden sind?

Dieser Dialog ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem gemeinsamen Ziel.

Am Flughafen ist man wegen Seehofers Vollbremsung ziemlich angefressen – verständlich?

Nein, dazu besteht kein Grund. Dennoch sollte man auch dort die Notwendigkeit sehen, die Menschen bestmöglich mitzunehmen.

Umgekehrt wird Seehofers Vorwurf kolportiert, die FMG sei im Falle des Scheiterns selber schuld, sie habe die Notwendigkeit nicht überzeugend genug dargestellt. Ist das auch Ihre Wahrnehmung?

Nein. Für Schuldzuweisungen gibt es auch gar keinen Anlass.

Glauben Sie auch, dass am Ende ein Moratorium steht, ein zeitlich nicht bestimmter Aufschub?

Nein, die Regierung Seehofer zeichnet sich durch Entscheidungsfreude aus.

Würde ein Moratorium das endgültige Aus für die Startbahn bedeuten?

Ja, man kann einen Bach nicht in zwei Sprüngen überqueren. Die Zeit der Entscheidung ist jetzt.

FMG-Chef Michael Kerkloh sagt, kommt die Bahn in München nicht, kommt in Deutschland gar keine Startbahn mehr. Hat er recht?

Ja, wieder einmal kommt es auf Bayern an, um unsere nationale Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.

Wirtschaftsverbände sagen, das Ende des Ausbaus würde den Wirtschaftstandort Bayern beschädigen. Schließen Sie sich dieser Auffassung an?

Uneingeschränkt. In diesem Fall gilt: Stillstand ist Niedergang. Daran sollten gerade auch die Erdinger denken, die auch für ihre Kinder noch sichere Arbeitsplätze wollen.

Olympia, Transrapid und eventuell nun die dritte Bahn – ist in unserem Land gar kein größeres (Infrastruktur-)Projekt mehr möglich?

In guten Zeiten und bei einer allgemein satten Mentalität wird es zumindest nicht leichter. Umso mehr ist politische Führung gefragt.

Anders herum: Leidet die Glaubwürdigkeit der Politik insgesamt, wenn man Vorhaben über zehn Jahre beherzt vorantreibt, um sie dann nach endlosen Verfahren zu kippen?

Ja, eindeutig. Andererseits sind die Zeiten vorbei in denen man von „oben“ verkündet und einfach umsetzt. Insofern passt das Dialogverfahren schon in die Zeit.

Halten sie Bürger- und Volksentscheidungen bei Vorhaben sinnvoll, die die gesamte Nation betreffen?

Jedenfalls nicht einen Münchner Bürgerentscheid, denn der Flughafen liegt nicht auf Münchner Grund. Wenn die Stadt den Gesellschaftszweck nicht mittragen will, soll sie eben aussteigen. Die verbleibenden Gesellschafter Bund und Land können das Projekt auch alleine schultern.

Für wie realistisch erachten Sie es, dass der Nachfolger Seehofer eine ganz neue Startbahnpolitik betreibt – so wie Günther Beckstein, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit Edmund Stoibers Prestigeprojekt Transrapid beerdigt hat?

Es war ein großer Fehler, auf den Transrapid zu verzichten. Diesem schlechten Beispiel sollten weder Seehofer noch seine Nachfolger folgen.

Das Interview führte Hans Moritz